Besondere Arten

Im Folgenden stellen wir Ihnen einige typische Arten aus dem Leinetal zwischen Northeim und Einbeck vor. Natürlich gehört dazu der Wachtelkönig, der DIE Leitart der Leinepolder ist. Ferner zeigen wir Ihnen auf dieser Seite einige weitere auffällige und gut zu beobachtende Arten.

Wachtelkönig // Jürgen Thiele Abenteuer Natur
Wachtelkönig // Chris Engelhardt

Wachtelkönig (Crex crex)

Der Wachtelkönig ist der Charaktervogel und eine der Zielarten, auf die sich die Schutz- und Entwicklungsarbeit in den Leinepoldern, besonders Polder I und II, konzentriert. Er bevorzugt ausgedehntes Feuchtgrünland. Mit bis zu 50 rufenden Männchen gehört die Population in den Poldern zu einer der größten in Deutschland. Insgesamt gibt es deutschlandweit nach neuester Schätzung je nach Jahr zwischen 2000 und 4000 rufende Männchen.

Zu Gesicht bekommt man den König allerdings nur selten, er ist lieber unsichtbar im hohen Gras unterwegs. Die Verluste durch Hochwasser in der Brutzeit – gerade in den Poldern mit ihrer primären Aufgabe der Hochwasserrückhaltung kommt dies regelmäßig vor – versucht er durch eine hohe Zahl von Eier pro Gelege und ab und an auch durch eine zweite Brut auszugleichen.

Die größte Gefährdung stellt allerdings die Mahd dar, die anderseits zum Erhalt des Lebensraumes aber zwingend notwendig ist. Um hier die Verluste zu minimieren, sollen die Wiesen in den Poldern eigentlich kreisförmig von innen nach außen gemäht werden. Noch konnte allerdings diese Bewirtschaftungsform nicht überall durchgesetzt werden.

Trotz seines Namens, der von seiner optischen Ähnlichkeit mit der Wachtel herrührt, gehört die Art übrigens in die Verwandtschaft der Rallen.

Aktuelle Beobachtungen
Geeigneter Beobachtungspunkt: Leinepolder I

Überwinternde Kraniche // Peter Jan Reus
Kranich // Wolfgang Kühn

Kranich (Grus grus)

Der Kranich hat in den letzten Jahren einen großen Aufschwung durch effektive Schutzmaßnahmen und vor allem durch die drastischen Veränderungen in Landwirtschaft erlebt. Die allenthalben entstandenen großflächigen Maisfelder bieten ihm optimale Bedingungen zur Nahrungssuche während des Zuges, so dass die europäische, westlich ziehende Population auf wohl über 200.000 Tiere angewachsen ist.

Zahlreiche davon überfliegen auch das Leinetal und immer wieder fallen auch Trupps zum Rasten in die Leinepolder ein. Im Herbst kommen die ersten Anfang Oktober an, Höhepunkt ist dann zumeist im November. Der Rückzug beginnt witterungsabhängig meistens ab Mitte Februar. Spektakulär waren rund 10 000 Tiere, die im März 2013 auf Grund einer nördlich liegenden Kaltfront über Tage im Leinetal Station machten.

Kraniche können Sie zur Zugzeit auch immer wieder außerhalb der Leinepolder auf den umliegenden Feldern bei der Nahrungsaufnahme beobachten. Bitte halten Sie in diesen Fällen unbedingt mindestens 300 Meter Abstand zu den Tieren ein. Hunde gehören dabei grundsätzlich an die Leine. Das Beunruhigen von Wildtieren ist übrigens nach Bundesnaturschutzgesetz auch außerhalb von Schutzgebieten verboten.

Aktuelle Beobachtungen
Geeignete Beobachtungspunkte: Sülbeck Plattform, Sülbeck Damm

Weißstorch // Stefan Munzinger
Weißstorch // Peter Jan Reus

Weißstorch (Ciconia ciconia)

Weißstörche gehören mittlerweile zu den typischen und regelmäßig zu beobachtenden Großvögeln im Leinetal. Taten sie sich in den Neunziger Jahren noch schwer mit dem Brüten, sind nun mehrere Brutpaare direkt an Poldern zu finden (Salzderhelden, Immensen, Sülbeck, Hollenstedt) und einige im weiteren Umfeld (Northeim-Langenholtensen, Marktoldendorf).

Einige der anwesenden Weißstörche stammt aus Nachzuchten und Auswilderungen in der Schweiz. Einige der Tiere ziehen deshalb in nicht allzu kalten Wintern nicht mehr weg und können deshalb ganzjährig beobachtet werden. Je nach Witterung werden mal größere oder kleinere Bruterfolge erzielt werden. Kaltes, regnerisches Wetter im Mai/Juni dünnt die Zahl der Jungstörche immer deutlich aus.

Aktuelle Beobachtungen
Geeigneter Beobachtungspunkt: Weißstorchnest Salzderhelden

Silberreiher // Stefan Munzinger
Silberreiher // Peter Jan Reus

Silberreiher (Ardea alba)

 Der große, weiße Reiher ist ein Kosmopolit und kommt weltweit auf allen Kontinenten vor. Noch vor zwanzig Jahren war der Silberreiher eine absolute Ausnahmeerscheinung in Deutschland. Mittlerweile überwintern tausende von ihnen bei uns, 2012 wurde die dann die erste Brut für Deutschland ganz im Nordosten dokumentiert.

Im Leinetal ist der Silberreiher mittlerweile ein häufiger Wintergast,  bis über 200 halten im Maximum hier auf. Am Schlafplatz an der Geschiebesperre konnten schon über 120 gezählt werden. Einzelne Tiere sind ganzjährig anwesend, die Beobachtungsärmsten Monate sind Juli und August.

Übersehen kann man die großen, weißen Vögel in den Poldern nicht, vor allem finden sie sich an flachen Wassertümpeln immer mal wieder gerne in kleinen Gruppen ein.

Aktuelle Beobachtungen
Geeignete Beobachtungspunkte: Geschiebesperre und Sülbeck Damm

Nilgans // Peter Jan Reus
Nilgans // Peter Jan Reus

Nilgans (Alopochen aegyptiacus)

Auch die Nilgans ist ein Neubürger bei uns. Sie ist mittlerweile in großer Zahl im Leinetal zu beobachten. Die Maximalzahlen liegen zwischen 250 und 300 Tieren. Die Nilgans brütet regelmäßig bei uns, erste Küken kann man auch schon mal Ende März in einem Schneeschauer beobachten. Als Brutplatz versucht die Nilgans durchaus auch mal ein Storchennest zu besetzen, kann sich aber meistens nicht gegen den deutlich größeren Nestherrn (-frau) durchsetzen.

Die Nilgans war ursprünglich nur in Afrika verbreitet. Seit dem 18. Jahrhundert wird sie als Ziergeflügel gehalten und verwilderte auf Grund ihrer geringen Ansprüche und auch wegen ihrer hohen Aggressivität erfolgreich. In Niedersachsen hat es von 2009 bis 2013 eine starke Zunahme des Brutvorkommens von 10 Prozent gegeben. Im Leinetal scheint die Populationsgröße in den letzten Jahren nicht mehr wesentlich zu wachsen.

Aktuelle Beobachtungen
Geeignete Beobachtungspunkte: Geschiebesperre

Blaukehlchen // Andreas Schäfferling
Blaukehlchen / Martin Schröder

Weißsterniges Blaukehlchen (Luscinia svecica subsp. cyanecula)

Obwohl das Blaukehlchen direkt mit der Nachtigall verwandt ist, kann es mit deren wundervollem Gesang nicht mithalten. Dafür "überzeugt" das Männchen mit einem wirklich prächtigen Aussehen: Blaue Kehle mit weißem Stern, sowie ein schwarz und ein rötliches Band. Und: es singt zumeist gut sichtbar von einer etwas exponierten Singwarte, so dass es recht gut zu beobachten ist. Manchmal startet das Männchen auch zu Singflügen.

Im Leinetal brütet das Weißsternige Blaukehlchen regelmäßig mit mehreren Brutpaaren im Polder I und einem weiteren Brutpaar an der Geschiebesperre, wo es vom Beobachtungsturm aus in dem kleinen Schilfgebiet beobachtet werden kann. Blaukehlchen kommen bei uns ab Mitte April an und ziehen bis Ende September wieder weg. Sie überwintern in Südwesteuropa und Nordafrika bis südlich der Sahara.

Aktuelle Beobachtungen
Geeignete Beobachtungspunkte: Geschiebesperre, Immensen Turm

Nachtigall // Peter Jan Reus
Lebensraum // Peter Jan Reus

Nachtigall (Luscinia megarhynchos)

Man hört sie zwar nicht Trapsen und selten sieht man sie, dafür hört man ihren wohlklingenden Gesang im Leinetal bei Northeim überall. Mehrere Dutzend singende Männchen sind hier ab Mitte April bis in den Juni hinein zuhören. Auch wenn sie zumeist nachts singt, ist sie oft auch tagsüber, wenn auch eher nicht zur Mittagszeit, aktiv.

Die Nachtigall ist ungefähr so groß wie ein Haussperling und braun gefärbt, oben dunkler wie unten. Auffällig, wenn man sie denn mal sieht, ist ihr rötlichbrauner Bürzel. Als Lebensraum bevorzugt die Nachtigall staudenreiche Gebüsche, wie oft auf nährstoffreichen Böden, insbesondere auch entlang von Bächen und Gräben zu finden sind. Ihr Nest baut die Nachtigall zumeist in Bodennähe.

Nachtigallen sind in Europa, Asien und Nordafrika beheimatet. Sie sind bei uns Zugvögel und verbringen den Winter in Afrika.

Aktuelle Beobachtungen
Geeignete Beobachtungspunkte: Freizeitsee und Kleiner Kiessee

Gebänderte Prachtlibelle // Peter Jan Reus
Lebensraum // Stefan Munzinger

Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx virgo)

Vor allem außerhalb der Polder, zumeist an den krautreichen Gräben an der Außenseite der Dämme östlich davon können Sie regelmäßig die Gebänderte Prachtlibelle beobachten. Die Männchen sind schillernd, dunkel blaugrün gefärbt und zeigen blaugebänderten, namensgebende Flügelzeichnung. Die Weibchen sind wesentlich weniger auffällig: Sie sind metallisch grün- oder bronzefarben. Ihre Flügel sind ebenfalls bronzefarben.

Die Gebänderte Prachtlibelle kommt vom Atlantik im Westen bis nach China im Osten vor. Schwerpunkte des Vorkommens liegt in Niederungsgebieten wie Flussauen und Bachtäler wie hier im Leinetal. Die Männchen zeigen ein ausgeprägtes Revierverhalten und tanzen gerne mit auffälligen Flügelschlägen über das Wasser und die randliche Vegetation, um ihren Anspruch auf einen bestimmten Abschnitt geltend zu machen und vor allem um die Aufmerksamkeit einfliegenden Weibchen zu erregen.

Aktuelle Beobachtungen
Geeignete Beobachtungspunkte: Butomusgraben bei Hohenstedt und Butomusgraben bei Vogelbeck