November 2016: "Bunte" Greifvögel - Mäusebussarde in den Leinepoldern

Fliegender Mäusebussard // Peter Jan Reus
Fliegender Mäusebussard // Peter Jan Reus

Kennt man einen, kennt man alle – das mag durchaus für einige Vogelarten gelten, bei denen die meisten Individuen für uns Menschen gleich aussehen. Beim Mäusebussard ist das jedoch ganz anders. Seine Farbvielfalt kann insbesondere im Winter in den Leinepoldern bestaunt werden.

In Deutschland ist der Mäusebussard der zahlenmäßig am stärksten vertretene Greifvogel. Exakte Zahlen sind nicht bekannt, aber es dürften mindestens etwa 100.000 Brutpaare dieser Vogelart sein, die hierzulande leben. Aufgrund ihrer langen und meist recht hoch stattfindenden Gleitflüge haben bereits viele Menschen schon einmal fliegende Mäusebussarde gesehen. Sie sitzend in der Landschaft zu finden, ist hingegen oft etwas schwieriger – außer man sucht im Winter an passenden Orten nach ihnen. Die Leinepolder zwischen Einbeck und Northeim sind eine solche Gegend, in der man die majestätischen und farblich variablen Greife während der kalten Jahreszeit besonders gut beobachten kann.

Idealer Überwinterungsplatz

Mäusebussarde wirken wegen ihres rundlichen Kopfes und kurzen Halses relativ kompakt, wobei der Körper aber einigermaßen schlank ist. Sie sind zwischen 51 und 57 cm lang und haben eine Flügelspannweite von etwa 115 bis 128 cm. Die Flügel sind recht breit, was Mäusebussarde zu versierten Fliegern macht, die Aufwinde geschickt für sich zu nutzen wissen. Solche sogenannten Thermiken werden von den Vögeln dazu verwendet, sich mit ausgebreiteten Schwingen spiralförmig in die Luft zu schrauben, ohne mit den Flügeln zu schlagen. Hoch oben segeln sie dann ebenfalls mit ausgebreiteten Flügeln auf den Luftströmungen. So können sie lange fliegen, ohne viel Kraft aufzuwenden. Dabei haben sie ihre Umgebung bestens im Blick und können Gebiete anfliegen, in denen es sich lohnt, auf die Jagd zu gehen.

"Kleinsäuger wie verschiedene Arten von Mäusen bilden die Hauptnahrung der Mäusebussarde, was ihr Name ja an sich schon verrät", erläutert Thomas Spieker von Naturscouts Leinetal e.V. Neben den kleinen Säugetieren stehen außerdem gelegentlich Kleinvögel, Reptilien und Amphibien auf dem Speisezettel der Greifvögel – und manchmal fressen sie sogar Regenwürmer.

Im Geäst ruhender Mäusebussard // Peter Jan Reus
Im Geäst ruhender Mäusebussard // Peter Jan Reus

Dass sich im Winter meist relativ viele Mäusebussarde in den Leinepoldern aufhalten, hat zwei entscheidende Gründe: "Das Schutzgebiet beherbergt eine große Zahl von Kleinsäugern, die eine verlässliche Nahrungsquelle für die Jäger der Lüfte darstellen", so Spieker. Und außerdem sind die weiten, offenen Flächen für die Greifvögel sehr gut zu überblicken, sodass das Jagen relativ leicht möglich ist.

"Allerdings fehlt vor allem an trüben Wintertagen die Thermik, die die Vögel energiesparend in die Luft heben könnte", erklärt der Naturscout. "Deshalb schonen die Mäusebussarde oft ihre Kräfte und sitzen auf den Wiesen oder auf Pfosten und behalten von dort aus die Umgebung im Blick." Für Naturbeobachter ist es dann leicht, sie frei sitzend zu betrachten, weshalb Spaziergänge in der Gegend im Winter für Greifvogelbegeisterte oft so lohnend sind.

Sehr heller Mäusebussard im Flug // Peter Jan Reus
Sehr heller Mäusebussard im Flug // Peter Jan Reus

Von graubraun bis weiß

Das Federkleid der Mäusebussarde kann farblich höchst unterschiedlich sein. Manche Individuen sind sehr dunkel graubraun bis rötlichbraun gefärbt, andere haben hellbraune bis graubraune Federn und einige weiße Bereiche und wieder andere sind fast vollständig weiß gefiedert. Wissenschaftler unterscheiden entsprechend zwischen (mindestens) sieben sogenannten Morphen, also Farbvarianten, die von sehr dunkel bis sehr hell reichen. Wie die einzelnen Tiere aussehen, hängt vom äußeren Erscheinungsbild ihrer Vorfahren ab, denn die Färbung wird vererbt.

Ein großer Teil der Mäusebussarde liegt farblich gewissermaßen im Mittelfeld und zeigt ein helles Brustband. Der Schwanz ist auf der Unterseite bei den meisten Tieren gebändert, er trägt acht bis zwölf Querbinden. Durch ein Fernglas betrachtet fällt auf, dass die Beine und Zehen leuchtend gelb sind. Dies gilt auch für die Haut an der Nase, die als Wachshaut bezeichnet wird.

Bei fliegenden Mäusebussarden sieht man auf der Unterseite der Flügel ein typisches Muster: Im vorderen Bereich sind die Flügel etwas dunkler, es folgt ein breiter, heller Saum und die Spitzen der Federn sind wiederum dunkel. Auf der Oberseite der Flügel, die man bei ruhenden Tieren sehen kann, ist die Farbverteilung erheblich variabler. Sie ist wie die Färbung am Rumpf angeboren und es gibt Individuen mit hellen, mittleren oder dunklen Flügeloberseiten.

Wer die faszinierenden Greifvögel nicht allein in der Natur erkunden möchte, kann sich geführten Wanderungen und Exkursionen der Naturscouts Leinetal anschließen. Dabei werden natürlich nicht nur Mäusebussarde gesucht, sondern auch andere Vögel und Tiere, die sich im Winter in dem Naturschutzgebiet an der Leine aufhalten.

 

 


 

 

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