Wann ist was zu sehen?

Die Freude an der Natur und der Vogelbeobachtung hat keine Saison. Während Hobby-Botaniker und Insektenfreunde nur im Sommerhalbjahr auf ihre Kosten kommen, gibt es für Vogelgucker das ganze Jahr über etwas zu entdecken. Jede Jahreszeit hat ihren Reiz und durch ihre Wanderungsbewegungen befindet sich die Vogelwelt in einem ständigen Wandel. Viele Ornithologen haben in ihrer Zeit als Anfänger erstaunt die Erfahrung gemacht, dass sie durch die Beschäftigung mit der Vogelwelt die Jahreszeiten intensiver wahrnehmen. Am Beispiel des Leinepolders lässt sich die Phänologie des Vogeljahres gut verdeutlichen und einzelnen Monaten zuordnen.

Blässgans // Peter Jan Reus
Graureiher // Peter Jan Reus
Haubentaucher // Peter Jan Reus
Rohrammer // Peter Jan Reus
Braunkehlchen // Peter Jan Reus
Blässhuhnküken // Peter Jan Reus
Feldschwirl // Peter Jan Reus
Rotmilan // Peter Jan Reus
Neuntöter // Peter Jan Reus
Stockente // Peter Jan Reus
Kampfläufer // Peter Jan Reus
Bekassine // Peter Jan Reus
Reiherente // Peter Jan Reus
Tundrasaatgans // Peter Jan Reus

Januar

Relativ ruhiger Monat mit den typischen Wintergästen: nordische Gänse, Sing- und Zwergschwan, Silberreiher, Raubwürger, bei Kälteeinbrüchen Kornweihe, Raufußbussard, Sumpfohreule, Rohrdommel, Seidenschwänze. Bei starker Vereisung verdichten sich oft riesige Mengen an Enten, Blässhühnern und Sägern an kleinen Eislöchern z. B. am Großen Freizeitsee, wo das Wasser bis zu 40 m tief ist und daher kaum jemals zufriert, und vor allem auch an der Geschiebesperre. Ansonsten wenig Fluktuation, die Gänsezahlen erreichen im Übergang zum Februar ihr Maximum.

Februar

Ab Mitte des Monats Rückkehr und Durchzug von Kranichen und Rotmilanen. Kiebitze, Goldregenpfeifer (bis Anfang April), Stare und Wacholderdrosseln können in großen Individuenzahlen auftreten. Feldlerche, Amsel, Misteldrossel, Heckenbraunelle und Meisen werden aktiv und beginnen zu singen.

März

Auf den nach Überflutungen entstandenen Flachwasserzonen können große Mengen an durchziehenden Enten rasten und Nahrung finden. Dieses Phänomen zieht sich bis weit in den April hin, wobei die früh erscheinenden Arten Stock- und Pfeifente sukzessive von den später ziehenden Schnatter-, Spieß-, Löffel- und Knäkenten abgelöst werden. Die Aktivitäten der Singvögel nehmen zu. Um die Monatsmitte ist schlagartig der Zilpzalp überall zu vernehmen und die Balz der Spechte erreicht ihren Höhepunkt.

April

Spätestens jetzt kehren die Weißstörche zurück und besetzen ihre Nester. Blaukehlchen singen, Mönchs- und Gartengrasmücke kehren zurück und beginnen mit dem Nestbau sowie dem Brutgeschäft. Auch die Rauchschwalben sind plötzlich wieder da. Trauerseeschwalben und Fischadler ziehen durch. Ende des Monats tauchen an den Seen die ersten Mauersegler auf. Inzwischen sind die letzten überwinternden Gänse fortgezogen.

Mai

Alle Vögel sind nun da: Nach dem Mauersegler kehren auch andere Fernzieher wie Kuckuck, Neuntöter, Teichrohrsänger und Wachtelkönig zurück. Die Nachtigall ist jetzt ebenfalls zu hören. Überall haben die Wasservögel Junge und es ist die große Zeit, sich mit den Vogelstimmen zu beschäftigen, da die Gehölze in voller Belaubung stehen und kaum einen Einblick zulassen. Ihre Stimmen verraten jedoch die Anwesenheit der gefiederten Sänger.

Juni

Die Gesangsaktivitäten haben jetzt bei den meisten Arten ihren Höhepunkt überschritten; ab Mitte des Monats wird es bereits merklich ruhiger. Vor allem in den Abendstunden lassen sich jetzt Wachtelkönig, Blaukehlchen, Rohrschwirl und Schilfrohrsänger vernehmen. Während des Tages sind die meisten Vögel damit beschäftigt, Futter für ihre Jungen heranzuschaffen, sodass für große Gesangseinlagen die Zeit und wohl oft auch die Kraft fehlt. Auf den Kiesseen wachsen die Jungen der Wasservögel heran und die männlichen Stockenten beginnen damit, ins Schlichtkleid zu mausern. Dann sind sie kaum noch von den Weibchen zu unterscheiden.

Juli

Neben dem Januar ist der Juli der ruhigste Monat im Vogeljahr. Am besten, man fährt in die Ferien – nein, es gibt natürlich auch daheim einiges zu entdecken! Zum Beispiel fliegen jetzt die jungen Bussarde und Milane aus. Aufgrund fehlender Mauserlücken sind sie leicht von den Altvögeln zu unterscheiden. Außerdem beginnt der Wegzug der nordischen Limikolen aus ihren Brutgebieten. Zu dieser Zeit sind diese rastenden Vögel nahezu ausschließlich an der Geschiebesperre zu entdecken.

August

Die ersten heimischen Brutvögel verlassen schon unsere Gegend, den Anfang macht der Mauersegler, der schon in der zweiten Augustwoche nicht mehr an den Brutplätzen weilt.  Greife und Kleinvögel fangen ebenfalls an, sich zu sammeln. So können an großen Schilfgebieten am Abend riesige Schwärme von Jungstaren beobachtet werden.

September/Oktober

Dies sind die Hauptmonate des herbstlichen Vogelzuges. Zunächst erleben wir einen starken Durchzug von Fischadlern, Milanen, Wespenbussarden, Drosseln und Staren. Später dann, im Oktober kehren die ersten Wintergäste aus ihren nordischen Brutgebieten zurück. Auf den Wiesen gesellen sich Saat- und Blässgänse zu den Grau- und Nilgänsen und auf den Seen tummeln sich Schellenten und Gänsesäger. Auch die Silberreiher sieht man wieder verstärkt im Leinetal. Mitte Oktober kommen die ersten Kranichtrupps aus nördlicher Richtung angeflogen.

November/Dezember

Die Gänsezahlen nehmen immer mehr zu, die Kiesseen und die Geschiebesperre füllen sich mit Enten verschiedener Arten, Haubentauchern und Blässhühnern. Jetzt ist die Zeit für die Beobachtung von Seetauchern und Meeresenten besonders günstig, insbesondere nach Stürmen aus nördlicher Richtung. Im Polder sind nun stets zwei bis drei Raubwürger zu sehen. Der Durchzug der Kraniche erreicht je nach Großwetterlage Anfang bis Mitte November seinen Höhepunkt. Bei mildem Wetter finden sich nun gute Beobachtungsbedingungen für Ammern und Finkenvögel. Darüber hinaus können zu dieser Zeit Möwen verschiedener Arten verstärkt auftreten und die Bestimmungskünste binnenländischer Vogelgucker mitunter auf harte Proben stellen.