Im Leinetal zwischen Northeim und Einbeck

Blick vom Sülberg in den Polder I Richtung Salzderhelden // Stefan Munzinger

Das Leinetal ist seit alters her Teil eines erdgeschichtlich uralten Grabensystems, das von Mittelnorwegen bis zum Mittelmeer verläuft. Schon immer handelte es sich dabei um Schwemmland, das bei regelmäßig auftretenden Hochwasserereignissen ein Retentionsgebiet der Leine darstellte. Dabei muss man wissen, dass alle Flusssysteme des Westharzes (Söse, Sieber, Rhume, Oder) in die Leine entwässern, sodass es beispielsweise zu Zeiten der Schneeschmelze zu beachtlichen Überflutungen kommen kann. Pegelangaben in den Ortschaften Salzderhelden, Sülbeck, Drüber u. a. zeugen von besorgniserregenden Wasserständen früherer Zeiten, die für den Menschen durchaus des öfteren bedrohlich waren.

Um solchen extremen Ereignissen zu begegnen, begann man bereits in den 1970er Jahren mit der Planung eines Dammbauwerkes. 1992 wurden die Dämme fertiggestellt und damit das Rückhaltebecken in fünf Polder unterteilt. Von diesen stehen Polder I und II zur regelmäßigen Überflutung zur Verfügung. Der Natur- und Vogelschutz war neben der Hochwasserregulierung ein zwar unbeabsichtigter, aber doch attraktiver Nebeneffekt. So besteht seit 1995 eine Schutzgebietsverordnung für den Polder I, seit 2002 ist er Teil des EU-Vogelschutzgebietes V08 „Leinetal bei Salzderhelden“.

Schon seit Jahrhunderten war das Leinetal der Nutzung durch den Menschen unterworfen. Nur durch intensive Rodung und Grünlandnutzung konnten überhaupt derartige Strukturen entstehen, deren Wert aus naturschutzfachlicher Sicht heute unbestritten ist. Gleichwohl wäre – ohne anthropogene Nutzung – der Lebensraum ein gänzlich anderer: Im Überschwemmungsbereich würden ausgedehnte Weichholzauwälder wachsen, während trockenere Eichen-Hainbuchenwälder überschwemmungsfernere Bereiche (Hartholzaue) kennzeichnen würden.

Der Beobachtungsturm an der Geschiebesperre Hollenstedt // Peter Jan Reus

Kiesabbau

Alte Kiessilos // Peter Jan Reus


Das Leinetal bei Northeim ist durch den ausgedehnten Kiesabbau geprägt. Vor allem der sogenannte Große Freizeitsee südlich der A7 prägt für den Durchreisenden das Bild des Tales. Die kleinen Kiesseen nördlich der Autobahn sind überwiegend dem Naturschutz vorbehalten. Hier dominieren sekundäre Weidenwälder, die Abbautätigkeit ist aktuell auf den Bereich der Geschiebesperre beschränkt.

Der Hauptabbau konzentriert sich momentan auf den Großen Freizeitsee, der am südlichen Ende jährlich weiter wächst. In den hier immer wieder neu entstehenden Abbruchkanten brütet fast alljährlich eine größere Anzahl von Uferschwalben, auf den anstehenden, rohen Kiesflächen brüten unregelmäßig Flussregenpfeifer.

Im Leinetal steht ein hochwertiger Grauwackekies an, der aufgrund seiner Qualität für alle industriellen Betonprodukte, aber auch als Brechkies in Asphaltmischwerken sowie für Frostschutz- und Schottertragschichten im Straßenbau genutzt werden kann.